„Ressourcen nutzen“

Jürgen H. Conzelmann, Vorstandsvorsitzender von Haus & Grund Frankfurt am Main.  Foto: Haus & Grund Frankfurt am Main

 

Herr Conzelmann, Neues Wohnen, das klingt erst mal sehr allgemein. Was genau bedeutet das, und wo sehen Sie Lösungen aber auch Herausforderungen für den angespannten Wohnungsmarkt in den Metropolregionen?

Neues Wohnen ist tatsächlich ein sehr allgemeiner Begriff. Im engeren Sinne wird hier den Veränderungen in unserer Gesellschaft Rechnung getragen. Die neue Single-Gesellschaft braucht Ein- bis Zweizimmerwohnungen mit kluger Nutzung und vor allem Flexibilität. Auch der demographische Wandel spielt natürlich eine Rolle. Was den Wohnungsmarkt im Rhein-Main-Gebiet angeht, würde ich beim Bewährten beginnen: Bestehende Möglichkeiten und Ressourcen sollten genutzt werden. Mit einer maßvollen Nachverdichtung bestehender großer Wohnsiedlungen, dem Aufstocken von Bestandsgebäuden sowie dem Ausbau von Dachgeschossen insbesondere in zentraler Lage kann bereits viel erreicht werden. Hierbei ist ein Verzicht auf zusätzliche Stellplätze und eine Reduzierung der überzogenen Energiestandards zu fordern – auch über intelligente Grundrisse mit standardisiertem Ausbau lassen sich die Kosten senken und der neu gewonnene Wohnraum maximieren. Im Bereich der Behörden und Innenstadtbüros sollten vermehrt Mikroapartments aber auch durchmischtes Wohnen aller Altersklassen realisiert werden. Dies sollte auch im Umfeld der Universitäten versucht werden.

Wenn wir also anders wohnen als früher, was bedeutet das für unsere Wohngebäude? In Frankfurt steht beispielsweise viel Büroraum leer, ist das eine Option für Wohnraum in der Zukunft?

Büroraum ist grundsätzlich nicht die sinnvollste Option und allenfalls in wenigen Teilbereichen möglich. Eine Anpassung an die Vielzahl der vorhandenen Vorschriften und Voraussetzungen ist meist viel zu teuer, die Gebäude sind schlicht nicht für Wohnungen ausgelegt, ein Umbau ist daher zeit- und kostenintensiv. Bestehende Vorzeigeprojekte sind zwar interessant, für durchschnittliche Investoren aber in ähnlichem Stil weder bezahlbar noch kurzfristig zu realisieren. Dies dürfte allenfalls unter städtischer Regie durchzuführen sein, doch ob und wie die Stadt hier tätig wird, das bleibt abzuwarten. Ich sehe weitaus mehr Potenzial darin, Anreize für private Investoren zu schaffen.

Nun sind das ja alles theoretische Überlegungen, was steht denn der Umsetzung entgegen? Welche Hindernisse müssen von der Politik noch aus dem Weg geräumt werden?

Wenn es um Büroumnutzungen geht, muss zunächst die steuerliche Situation der Unternehmen angesprochen werden, die in der Regel die Gebäude nicht völlig abschreiben wollen, wenn diese zur kompletten Umnutzung verwendet werden sollten. Es müssten Teilabrisse, Anbauten, Durchbrüche mehrere Stockwerke bis hin zum Anbau von Balkonen oder Loggien möglich gemacht werden. Hier könnte es Probleme mit der Nachbarschaftszustimmung, aber auch behördliche Verweigerung eines Umbaus geben. Allgemein gesprochen habe ich ja bereits auf die Kosten von Stellplätzen und Energiestandards hingewiesen. Wirtschaftlichkeit ist ein entscheidender Faktor um neuen Wohnraum schaffen zu können. Hier könnten Erleichterungen auf kommunaler Ebene wichtige Impulse setzen.